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Caritasverband sucht Gastfamilien
Familienanschluss statt Wohnheim
Caritasverband Schaumberg-Blies sucht Gastfamilien für psychisch kranke Menschen 36 Familien bieten in den Kreisen Neunkirchen, St. Wendel und Saarpfalz 38 psychisch kranken Menschen ein Zuhause auf Zeit. Die letzte Alternative wäre für viele Kranke die Unterbringung in einem Wohnheim.
Der Caritasverband Schaumberg-Blies sucht Gastfamilien im Kreis Neunkirchen, im Kreis St. Wendel und im Saarpfalz-Kreis für die Fachstelle begleitetes Wohnen für psychisch kranke Menschen. Die Gastfamilien erhalten ein monatliches Betreuungsentgelt (350 Euro), eine Mietpauschale und Verpflegungsgeld. Familien, die sich vorstellen könnten, einem psychisch kranken Menschen ein Zuhause auf Zeit anzubieten und sich gemeinschaftlich den Herausforderungen des Lebens stellen wollen, wenden sich an den Caritasverband Schaumberg Blies, Geschäftsstelle Neunkirchen, Laura Lauermann, Sylvia Harper Mann, Telefon (06821) 2 90 25 45. hek
Kreis Neunkirchen. Ein "normales" Leben leben. Morgens aufstehen und im Kreis der Familie frühstücken. Kein beklemmendes Gefühl in der Brust haben, weil man später allein in der Wohnung ist. Heute keine Angstzustände erleiden, die den Kopf lähmen und die Luft zum Atmen nehmen. Für gesunde Menschen eine Selbstverständlichkeit, für die 30-jährige Melanie ein großer Schritt dahin, gesund zu werden. Melanie ist psychisch krank, hat seit ihrer Kindheit Angstzustände, die in den vergangenen Jahren immer schlimmer wurden. Seit 2004 erhält die Neunkircherin Hilfe durch die Caritas-Fachstelle Betreutes Wohnen für psychisch kranke Menschen. Als sich Melanie in diesem Jahr von ihrem Mann trennt, muss eine neue Lösung her. Wie wäre es, wenn Melanie bei einer Gastfamilie einzieht? Seit zehn Jahren gibt es den Fachdienst „Begleitetes Wohnen für psychisch Kranke in Gastfamilien“ bei der Caritas. Jede Menge Erfahrung ist also vorhanden. Doch Melanie ist erst mal skeptisch. „Ich hätte schon gern meine eigene Wohnung gehabt, konnte mich nur schwer mit der Idee anfreunden“, gibt sie unumwunden zu. Den Ausschlag dafür, es schließlich doch zu versuchen, gab die Möglichkeit des Probewohnens. Melanie zog zunächst für zwei Wochen bei Familie Müller ein. Die Chemie stimmte. Inzwischen sind drei Monate des Zusammenlebens vergangen, und Melanie und Barbara Müller haben sich sogar ein bisschen angefreundet, verbringen viel Zeit miteinander. Barbara Müller hat bereits Erfahrung als Gastmutter gesammelt, hatte für ein halbes Jahr einen psychisch kranken Mann aufgenommen. „Man muss sich während der Probezeit geben, wie man ist, sonst bringt es nichts.“ Die Illingerin ist durch Bekannte auf das Projekt aufmerksam geworden und hat es nicht bereut, ihr Heim mit einer zunächst Fremden zu teilen. „Ich wollte mich sozial engagieren, aber nicht in einem Verein.“ Nun profitiert Melanie davon, dass Barbara Müller bereit ist, ihr in ihrem Haus ein Gefühl von Geborgenheit zu geben. „Das tut ihr gut“, ist sich Laura Lauermann sicher. Mit Kollegin Sylvia Harper Mann betreut die sozialpädagogische Mitarbeiterin der Caritas-Fachstelle sowohl die psychisch Kranken als auch die Familien. Bei den wöchentlichen Treffen kann alles angesprochen werden, bei Problemen helfen die Sozialpädagoginnen weiter. Als es Melanie vor einigen Wochen nicht gut ging, haben sie sofort Kontakt aufgenommen. Die Krise sei im Vergleich zu früher sehr schnell vorübergegangen, ein Klinikaufenthalt war nicht nötig. „Da waren alle sehr erleichtert“, so Lauermann. Und auch wenn Melanie das Stadtleben manchmal vermisst. Sie hat es nicht bereut, bei einer Gastfamilie einzuziehen.
Meinung
Liebe Deinen Nächsten . . .Von SZ-Redakteurin Heike Jungmann
Viele unter uns werden schon einmal einen Gast für einige Zeit beherbergt haben. Nichts Ungewöhnliches also. Nicht alltäglich ist es jedoch, was Barbara Müller und andere Gastfamilien im Kreis leisten. Sie geben ein Gutteil ihrer Privatsphäre auf, um psychisch Kranken ein Zuhause zu geben und sie auf dem Weg in die angestrebte Selbstständigkeit zu begleiten. Das erfordert Mut, auch wenn beide Seiten eine zweiwöchige Kündigungsfrist haben. Der Caritasverband hat die Gastfamilien befragt, warum sie dieses außergewöhnliche Engagement an den Tag legen.
Ihre Hauptmotivation: Sie wollen jemandem helfen! Das ist echte Nächstenliebe.
Der Caritasverband Schaumberg-Blies sucht Gastfamilien im Kreis Neunkirchen, im Kreis St. Wendel und im Saarpfalz-Kreis für die Fachstelle begleitetes Wohnen für psychisch kranke MenschenGeschäftsstelle Neunkirchen, Laura Lauermann, Sylvia Harper Mann, Telefon (06821) 2 90 25 45. hek
